Welpe zieht ein: Die komplette Erstausstattung (ohne Marketing-Quatsch)
Du googelst 'Welpe Erstausstattung' und bekommst Listen mit 50+ Positionen, gesponsert von Zoohandlungen die dir alles verkaufen wollen. GPS-Tracker für einen 12-Wochen-Welpen der an der Leine geht. Drei verschiedene Körbchen. Hundeparfüm. Hier ist die Version von Leuten die tatsächlich Hunde haben.
Die echte Grundausstattung
Futter
Frag den Züchter oder die Pflegestelle was der Welpe bisher gefressen hat und kauf davon einen Vorrat für 2-3 Wochen. Futterwechsel in den ersten Tagen im neuen Zuhause = Durchfall. Das will niemand.
Wenn du umstellen willst, mach das langsam: Über 7-10 Tage schrittweise das neue Futter untermischen. Welpen brauchen Welpenfutter (mehr Protein, mehr Kalorien, angepasstes Calcium-Phosphor-Verhältnis) bis sie ausgewachsen sind — bei kleinen Rassen ca. 10-12 Monate, bei großen 15-18 Monate.
Was du NICHT brauchst: Nahrungsergänzungsmittel, sofern der Tierarzt nichts anderes sagt. Gutes Welpenfutter deckt alles ab.
Näpfe
Zwei Stück. Edelstahl oder Keramik. Plastik nimmt Gerüche und Bakterien auf und verursacht bei manchen Hunden Akne am Kinn (ja, Hunde können Akne bekommen). Rutschfeste Unterseite oder eine Napfunterlage, sonst schiebt der Welpe den Napf durch die halbe Küche.
Für große Rassen: Überleg ob du eine erhöhte Futterstation brauchst. Bei Rassen die zu Magendrehung neigen (Deutsche Dogge, Schäferhund, Setter) gibt es Studien die sowohl für als auch gegen erhöhtes Füttern sprechen. Sprich mit deinem Tierarzt.
Schlafplatz
Ein Körbchen oder eine Decke in einer ruhigen Ecke. Kauf nichts Teures — der Welpe wird reinpinkeln, dran kauen und in 4 Monaten rausgewachsen sein. Ein alter Bettbezug auf einer Yogamatte funktioniert genauso gut.
Zur Transportbox-Debatte: Viele Hundetrainer empfehlen eine Box (Crate) als Schlafplatz. Der Welpe soll sie als seinen sicheren Rückzugsort sehen. Das funktioniert — wenn du es richtig einführst. Die Box muss groß genug sein zum Hinlegen und Umdrehen, aber klein genug um gemütlich zu sein. Nie als Strafe benutzen. Und: Der Welpe muss lernen dass er raus darf wenn er muss. Eine zugesperrte Box + volle Blase = Trauma.
Leine und Halsband
Ein leichtes, weiches Halsband in passender Größe und eine 2-3 Meter Führleine. Kein Geschirr am Anfang — der Welpe muss erstmal verstehen was eine Leine ist. Ein Geschirr gibt zu viel Fläche und damit das Gefühl, ziehen zu können.
Keine Flexi-Rollleine. Ernsthaft. Dein Welpe lernt damit nur eins: Wenn ich ziehe, bekomme ich mehr Leine. Genau das Gegenteil von dem was du willst. Für den Rückruf-Aufbau später: Eine 5-10 Meter Schleppleine, aber am Geschirr, nie am Halsband.
Kauspielzeug
Das ist keine Option, das ist Pflicht. Welpen zahnen zwischen Woche 12 und 28. In dieser Zeit müssen sie kauen. Ihr Zahnfleisch juckt und drückt. Wenn du ihnen nichts anbietest, nehmen sie deine Schuhe, Stuhlbeine und Kabel.
Was funktioniert: Kaffeeholz (in der kleinsten Größe), ein Kong (mit Futter gefüllt), ein Baumwolltau zum Zerren. Kein Spielzeug mit Quietschern die rausgebissen werden können, kein dünnes Plastik das in Teile bricht, keine zu kleinen Bälle die verschluckt werden können.
Kotbeutel
Ab Tag 1. Kauf eine Rolle mit 300 Stück. Du wirst jede einzelne brauchen.
Was du in der ersten Woche brauchst
- Enzymreiniger. Der Welpe wird in die Wohnung machen. Normaler Reiniger entfernt den Geruch für deine Nase, aber nicht für die Hundenase. Enzymreiniger zersetzt die Geruchsmoleküle. Ohne das geht der Welpe immer wieder an die gleiche Stelle.
- Welpenunterlage oder alte Handtücher. Für die Nacht und wenn du mal 5 Minuten nicht aufpasst.
- Leckerlis. Kleine, weiche Stücke die du in Sekunden geben kannst. Für die ersten Trainingssessions: Sitz, Name, Rückruf. Kein Trockenfutter — zu hart, dauert zu lang zum Kauen.
Was du in den ersten 2-4 Wochen brauchst
- Tierarzt-Termin. In der ersten Woche. Erstuntersuchung, Impfplan besprechen, Entwurmung, Chipkontrolle.
- Hundehaftpflicht. Pflicht in Hamburg und vielen anderen Bundesländern. Ab 40-70 Euro im Jahr. Versichert Schäden die dein Hund verursacht.
- Hundesteuer anmelden. Beim Bezirksamt. 90 Euro/Jahr in Hamburg.
- Welpenschule. Nicht zwingend, aber empfehlenswert. Dein Welpe lernt andere Hunde kennen und du lernst die Grundlagen. Achte auf eine Schule die mit positiver Verstärkung arbeitet, nicht mit Strafe.
Was du NICHT brauchst
- 10 verschiedene Spielzeuge. 3 reichen. Ein Kauspielzeug, ein Zerrseil, ein Kong. Alles andere überfordert.
- Hundemantel. Welpen mit normalem Fell frieren nicht bei 10 Grad. Im Winter bei Minusgraden für kurzhaarige Rassen ja — aber nicht im Frühling.
- GPS-Tracker. Dein Welpe ist an der Leine.
- Hundebett für 150 Euro. In 4 Monaten rausgewachsen. In 2 Wochen angeknabbert.
- Nahrungsergänzungsmittel. Sofern nicht vom Tierarzt empfohlen.
- Anti-Bell-Halsband / Sprühflaschen / Ratterdosen. Nie. Bei keinem Hund. Aber besonders nicht bei einem Welpen der gerade die Welt kennenlernt.
Der wichtigste Rat
Die ersten Wochen sind anstrengend. Der Welpe schläft nachts nicht durch, pinkelt auf den Teppich, beißt in deine Finger und frisst Dinge die er nicht fressen sollte. Das ist normal. Das geht vorbei.
Welpen brauchen 18-20 Stunden Schlaf am Tag. Wenn deiner hibbelig und unausstehlich wird, ist er wahrscheinlich übermüdet — nicht unterbeschäftigt. Leg ihn hin, mach das Licht aus, geh raus. Er braucht Ruhe, nicht noch eine Trainingseinheit.
Und in einem Jahr sitzt du auf dem Sofa, der Hund neben dir, und du weißt nicht mehr wie das Leben vorher war. Es lohnt sich.